Geburtstagskuchen

Geburtstag ohne Kuchen - darf man das?

Ich kann keinen Kuchen backen. Auch keine Brownies, Muffins und schon gar keine Torten. Gemüsewähe bringe ich gerade noch hin, aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter.

Unsere beiden Mädchen haben demnächst kurz nacheinander Geburtstag, und wir brauchen binnen weniger Tage nicht zwei, nicht vier, sondern sieben (!) Kuchen. Schliesslich feiert man mehrmals: mit der Familie, in der Krippe, im Hort, im Kindergarten und am Geburtstagsfestli.

Mir ist nicht zum Feiern zumute. Ich ärgere mich darüber, dass ich kein Eiweiss steif schlagen kann und nicht geduldig genug bin, Mehl durch ein Sieb zu schütteln (warum man das Mehl nicht direkt zur Masse geben darf, will mir nicht in den Kopf). Meine Freunde versuchen mir Mut zu machen und schicken mir Fotos von fantastischen Geburtstagskuchen in diversen Formen, von der Loki über den Schmetterling bis zur Eisprinzessin. Dazu schreiben sie: «Ganz einfach!» Aber ich weiss: Backen ist nie einfach. Nicht für mich.

Ausser vor dem Geburtstagsmarathon im Herbst stört mich meine Backunfähigkeit wenig. Im Gegenteil, oft kommt sie mir gar zugute. Ich werde nie gebeten, ein Büffet mit etwas Selbstgebackenem zu ergänzen. Ich bin die Frau für die Chips.

Apropos Chips: Wer hat beschlossen, dass Kindergeburtstage mit Kuchen gefeiert werden? Warum nicht mit etwas anderem, zum Beispiel mit Gemüsewähe oder eben mit Chips? Laut Wikipedia ist der Kuchen bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts «fester Bestandteil der Kindergeburtstage». Ich finde, das reicht jetzt. Nach über 150 Jahren ist es an der Zeit, Alternativen ins Spiel zu bringen. Zum Beispiel folgende:

  • Ein Säckli voller Popcorn für jedes Kind, verziert mit einer hübschen Schleife
  • Schokoküsse, dekoriert mit Smarties oder Streusel
  • Einen Kübel Glace, dazu buntes Topping – Hagel, Rahm, Schoggisauce – wird zum perfekten Geburi-Coupe
  • Fruchtspiesse getarnt als Zauberstäbe (Marshmallows nicht vergessen!)
  • Eine Schatztruhe, gefüllt mit Süssem
  • Gekaufte Madeleines, aufgemöbelt mit Glasur und Smarties
  • Einen Zopf, dazu Schoggistängeli

Mir scheinen diese Alternativen vielversprechend. Aber was sagen die Mädchen dazu: Ist ein gekauftes statt selbstgemachtes Geburtstagsznüni sehr schlimm für sie? Als ich die beiden danach frage, runzeln sie nur die Stirn – und antworten: «Nein, warum?»

Über die Autorin

Eva Wirth (38) lebt mit ihrem Partner und den drei Kindern (null, drei und sechs Jahre) in einem Dorf nahe Zürich. Im Alltag der fünf kommen eher Lieder von Mani Matter zum Zug als Tipps aus Erziehungsratgebern. Eva Wirth arbeitet als Redaktorin, macht derzeit aber Babypause.

Eva Wirth