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Aufräumen will gelernt sein

Vormachen, loben und abwarten: Das hilft gegen das Ausflippen beim Zimmeraufräumen.

Ich bin gerade wahnsinnig erleichtert. Eine Expertin hat mich über ein Thema aufgeklärt, das bei uns zu Hause mit einer gruseligen Zuverlässigkeit für Streit der Stufe 10 gesorgt hat: das Aufräumen. Die Fachfrau heisst Martina Frischknecht und bietet als «Frau Ordnung» ihre Dienste an als Aufräum-Coach.

 

Frau Frischknecht, wenn meine Kinder spielen, sieht es nach fünf Minuten aus, als hätte ein Riese das Zimmer mit voller Kraft durchgeschüttelt. Warum ist das so?

Kinder folgen ihren Emotionen, ihrer Lust. Entdecken sie die Legos, schwupps, lassen sie die Puppen links liegen. Im Chaos fühlen sich Kinder wohl. Das sind wir Erwachsenen, die mit der Unordnung nicht klar kommen.

Ich gehöre leider auch dazu. Darum nötige ich meine sechsjährige Tochter regelmässig dazu, mit mir ihr Zimmer aufzuräumen. Dabei bekommen wir immer Streit. Das frustriert mich.

Natürlich. Aber ich kann Sie beruhigen: Anderen Eltern geht es genauso. Das Aufräumen gehört laut Umfragen zu den häufigsten Streitgründen zwischen Eltern und ihren Kindern.

Meine Tochter muss während des Aufräumens immer dringend und nur ganz schnell die Puppen anders betten oder die Playmobil-Klinik neu einrichten. Nichts darf in den Müll, für alles sieht sie noch Verwendung – selbst für die Spitzerresten. Das macht mich wahnsinnig.

Sie dürfen nicht vergessen, dass Aufräumen gelernt sein will. Darum ist es gut, wenn Sie mithelfen und vormachen, wie man Ordnung schafft. Allgemeine Aufforderungen wie «Räum dein Zimmer auf» überfordert Ihre Tochter. Sie weiss dann gar nicht wo anfangen.

Über Frau Ordnung

Martina Frischknecht (42) hat das zum Beruf gemacht, was anderen ein Gräuel ist: das Aufräumen. Als «Frau Ordnung» mistet sie Estriche aus, ordnet Schuhschränke neu ein und sortiert Krawatten. Sie optimiert, entsorgt, stellt um – kurz: Martina Frischknecht schafft für andere Ordnung. Sie wohnt mit ihrer Familie am Zürichsee.

Martina Frischknecht

Was empfehlen Sie?

Geben Sie klare Anweisungen und führen Sie Ihre Tochter in kleinen Schritten durch den Prozess. Sagen Sie also zum Beispiel: «Räume du die Legos in die Kiste, ich sammle die Kleider am Boden ein.» Und, ganz wichtig: Loben Sie Ihre Tochter. Klatschen Sie nach getaner Arbeit in die Hände und betonen Sie, wie zauberhaft das Zimmer jetzt ausschaut und wie leicht man alles wieder findet.

Mit welchem Ordnungssystem haben Sie in Kinderzimmern die besten Erfahrungen gemacht?

Schauen Sie, dass alles seinen Platz hat. Am besten nach dem Grundsatz: Gleiches zu Gleichem. Im Regal stehen alle Bücher, im Schrank alle Spiele. Weiter bewährt sich, wenn Sie die Spielsachen in Kisten versorgen: eine Kiste für Playmobil, eine für Puppenkleider, eine für kleine Schätze.

Ich befürchte, dass meine Tochter selbst bei der durchdachtesten Logik Aufräumen doof findet.

Dann sorgen Sie dafür, dass das Aufräumen ein kleines bisschen Spass macht. Schalten Sie zum Beispiel ein Hörspiel ein oder drehen die Musik laut auf. Was auch gut funktioniert, sind Wettbewerbe: «Du räumst die Eisenbahn weg, ich die Playmobil – wer ist schneller?»

Und wann kann ich mich aus der Mission «Ordnung im Kinderzimmer» ganz zurückziehen?

Erwarten Sie nicht zu viel zu früh. Kinder können zwar von klein an beim Aufräumen mithelfen, und wenn sie etwa vier Jahre alt sind, darf man ihnen ruhig das Aufräumen eines grösseren Bereichs zutrauen. Aber ein ganzes Zimmer alleine aufzuräumen, fällt selbst Kindergartenkindern noch schwer. Ihre Tochter ist also in bester Gesellschaft. Halten Sie durch und denken Sie daran: Übung macht die Meisterin.

Über die Autorin

Eva Wirth (38) lebt mit ihrem Partner und den drei Kindern (null, drei und sechs Jahre) in einem Dorf nahe Zürich. Im Alltag der fünf kommen eher Lieder von Mani Matter zum Zug als Tipps aus Erziehungsratgebern. Eva Wirth arbeitet als Redaktorin, macht derzeit aber Babypause.

Eva Wirth