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Eine tierisch schwierige Angelegenheit

Wer sich ein Mauzli oder Stupsi wünscht, hat etliche Fragen zu klären. Auch empfehlenswert: ein Testfüttern bei Nachbars Haustier.

 

Den 2. Dezember 1992 habe ich als den schönsten Tag meiner Kindheit abgespeichert. Es war der Mittwoch, an dem ich nach monatelanger Bettelei von meinen Eltern ein Haustier bekam. Kaninchen Brösmeli und ich waren bald beste Freunde. Als es Jahre später starb, heulte ich Rotz und Wasser – und das als 19-jährige Frau.

Daran erinnerte ich mich unlängst (leicht beschämt). Ich fragte mich, was meine Kinder verpassen, wenn sie ohne Haustier aufwachsen. Regelmässiger Kontakt zu Tieren tut der kindlichen Entwicklung gut – das haben Studien zigfach belegt. In diesen ist zum Beispiel von höherem Selbstvertrauen die Rede, stärkerem Immunsystem und besserer Kommunikationsfähigkeit. Ist da nicht ein Unmensch, wer kein Mauzli oder Stupsi zu seiner Familie zählen kann?

Mein Partner und ich jedenfalls begannen, das Projekt Haustier aufzugleisen. Wir machten uns schlau und wägten ab. Denn – das weiss jedes Kind – ein Tierkauf will gut überlegt sein. Wer füttert und mistet? Sind die Kinder alt genug, um Verantwortung mitzutragen? Was ist, wenn wir verreisen? Kaufen wir das Tier im Zoohandel oder Tierheim? Wir klärten Punkt für Punkt, bis noch eine Frage offen war: Welches Tier soll’s sein?

Ich stimmte fürs Minipig. Mein Partner aber wies mich darauf hin, dass ein Minipig gar nicht so mini ist und eine Haltung verlangt wie ein Maxi-Schwein. Minipigs schieden also aus. Sie waren uns eine Nummer zu gross, ebenso Hunde. Wie würden stattdessen Katzen passen? Wellensittiche, Schildkröten, Fische, Hamster? Oder Nachfahren von Brösmeli?

Nach gründlichen Überlegungen entschieden wir uns für Meerschweinchen. Ich finde Meerschweinchen zwar merkwürdige Wesen, irgendwie künstlich, aber unseren Platz- und Erfahrungsverhältnissen angemessen. Die Vorfreude war gross.

Da kam die Anfrage unserer Nachbarn gerade richtig: Ob wir während der Ferien ihre Meerschweinchen füttern könnten. Wir sagten zu und erhofften uns die Vergewisserung, bereit zu sein für tierischen Familienzuwachs. Nach der ersten Meerschweinchenfütterung standen die Zeichen bestens; die Kinder konnten kaum aufhören mit Kraulen. Auch am zweiten und dritten Tag war die Begeisterung gross. Aber am vierten Tag entdeckten die Kinder im Garten der Nachbarn einen alten Quittenbaum mit einer Strickleiter. Von da an waren ihnen die Meerschweinchen piepegal.

Nun, wir haben das mit dem Haustierkauf mal verschoben und stattdessen in eine Strickleiter für unseren Garten investierten. Klettern soll ja auch gesund sein.

Über die Autorin

Eva Wirth (38) lebt mit ihrem Partner und den drei Kindern (null, drei und sechs Jahre) in einem Dorf nahe Zürich. Im Alltag der fünf kommen eher Lieder von Mani Matter zum Zug als Tipps aus Erziehungsratgebern. Eva Wirth arbeitet als Redaktorin, macht derzeit aber Babypause.

Eva Wirth